Zur Geschichte des
August-Bebel-Platzes

Der August-Bebel-Platz wurde Mitte der 1920er Jahre durch die beiden Einsiedler Gärtnereien Otto Schwarz und  Moritz Womacka, beide ansässig auf der Feldstraße 3 (heute Gärtnereiweg), angelegt.
Das Foto oben ist um 1927 entstanden, wir wir sehen, sind West- und Ostseite des Platzes noch völlig unbebaut, was sich aber zeitnah ändern wird.
In der linken unteren Ecke erkennen wir das Gebäude Seydelstraße 1. Es wird den nachfolgenden Krieg nicht überleben und auch noch im Jahre 2010 findet sich an dieser Stelle eine unbebaute Fläche, die als Parkplatz genutzt wird.

august-bebel-platz kj 1

Der August-Bebel-Platz als Postkartenmotiv um 1930.
(Vorlage: Jürgen Krauß)
Links am Platz vorbeiführend die damalige Reichsstraße.
Eine seinerzeit starke SPD im Einsiedler Gemeinderat setzte damals den Namen “August Bebel” durch. Und so hieß der Platz dann...

...bis zum 1. Mai 1933. Man betrachte die fast(!) gleiche Aufnahme.
Längst heißt diese Stelle Adolf-Hitler-Platz, eine politisch legal tätige SPD gibt es seit 1933 weder in Einsiedel noch sonst irgendwo im Reich.
Links vorbeiführend auch nicht mehr die Reichsstraße, sondern die
Hans-Schemm-Straße.
Bei der Karte wurden also lediglich der Himmel und die Bildunterschrift verändert, sie lief postalisch 1941.

1. Mai 1933, “Tag der nationalen Arbeit”. An diesem Tage erfolgte in feierlicher Form die Umbenennung des “August-Bebel-Platz” in “Adolf-Hitler-Platz”.
Das Foto nebenstehende stammt vermutlich von diesem 1. Mai oder wurde 11 Tage früher, bei der Pflanzung der “Adolf-Hitler-Eiche” am 20. April, aufgenommen.
Belegt ist allerdings eindeutig, dass der Platz am 1. Mai 1933 umbenannt wurde.(Foto: Ingobert Rost)

An diesem grauen Frühlingstag herrschte Zuversicht bei dem Menschen in Einsiedel. Eine neue, mit radikalen Methoden vorgehende Partei regierte das Reich und versprach bessere Zeiten. Die nach langer Zeit (Weltwirtschaftskrise) auch sukzessive spürbaren wirtschaftlichen Aufschwünge brachten bessere Lebensbedingungen für viele Deutsche in den Vorkriegsjahren. Das Ende dieser unheilvollen Ära war dann doch ein ganz anderes...

...den keine zwölf Jahr später lag nicht nur der Adolf-Hitler-Platz in Trümmern.

Die Rückbenennung in August-Bebel-Platz erfolgt im gleichen Jahre, also 1945.
(Foto: Ingobert Rost)

Die vier großen Gebäude rings um den August-Bebel-Platz trugen alle im Bombeninferno Schäden davon, drei wurden aber wieder errichtet.
(Siehe dazu die separaten Artikel.)
Die Luftbildaufnahme stammt von Mitte der 1990er Jahre.

Am 20. Juli 2005 zeigt sich uns der August-Bebel-Platz mit starkem Bewuchs. Für den Gedenkstein “Ewige Mahner” in der Bildmitte siehe den Artikel ebenda.
Nunmehr führt links vorbei die Einsiedler Neue Straße (ex Hans-Schemm-Straße, ex Reichsstraße).

 

Hintergrundwissen 1. Mai:
Der 1. Mai wurde durch die nationalsozialistische Regierung im Deutschen Reich ab 1933 zum "Tag der nationalen Arbeit" und zum gesetzlichen Feiertag erklärt.
Bereits im Jahre 1886 rief die Arbeiterbewegung in den USA zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf. Daraufhin kam es zu Massendemonstrationen in vielen amerikanischen Industriestädten. In Chicago endeten die Demonstrationen tödlich, als am 3. Mai 1886 vier Arbeiter bei Auseinandersetzungen mit der Polizei erschossen wurden und am nächsten Tag in die Reihen der Polizei eine Bombe geworfen wurde, die acht Polizisten tötete und zahlreiche verletzte. Bei dem anschließenden Aufruhr, der in die US-Geschichte als „Haymarket Riot“ eingegangen ist, wurden mehr als 200 Arbeiter verletzt, die Zahl der Toten ist niemals offiziell bestätigt worden.
1889 wurde dann auf dem Gründungskongress der „Zweiten Internationale“ der 1. Mai als "Kampftag der Arbeiterbewegung" ausgerufen, um der Opfer des „Haymarket Riot“ zu gedenken.
In der deutschen Geschichte des 1. Mai ist der so genannte Blutmai in Berlin 1929 ein bedeutendes Ereignis, welches die Widersprüche zwischen den Parteien KPD und SPD entscheidend verschärfte. Zwischen 1. und 3. Mai 1929 tötete die Schutzpolizei in Berlin in Folge einer Maidemonstration 32 Demonstranten und Anwohner, darunter auch Unbeteiligte. 80 Menschen wurden verletzt. Die Berliner Polizei folgte einer Anweisung des preußischen Innenministers und des Berliner Polizeipräsidenten, welche beide der SPD angehörten. Diese hatten im Vorfeld Demonstrationen am 1. Mai in Berlin verboten, die KPD hatte jedoch weiter zu ihnen aufgerufen.
In kommunistisch geführten Ländern wurde und wird der 1. Mai "Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen" genannt.
Seit 1946 ist der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ in der Bundesrepublik Deutschland Feiertag.

 

Hintergrundwissen “Drittes Reich”:
Der Schriftsteller Arthur Moeller van den Bruck beschrieb 1923 in seinem Buch “Das dritte Reich” die autoritäre Utopie einer Verbindung aus Nationalismus und Sozialismus, als sogenanntes “Drittes Reich”, welches die Nachfolge des 1918 untergegangenen Kaiserreichs antreten sollte.
Somit gab es eine
Zählfolge für die bisher bestehenden Deutschen Reiche, welche anfangs von den Nationalsozialisten übernommen, ab 10. Juli 1939 aber aus propagandistischen Gründen nicht mehr verwendet wurde. Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich der Begriff “Drittes Reich” für die Zeit zwischen 1933 und 1945 endgültig durch:
Erstes Reich: Heiliges Römisches Reich deutscher Nation 962 bis 1806
Zweites Reich: Deutsches (Kaiser-)Reich 1871 bis 1918 (auch: Bismarck-Reich oder Kleindeutsches Reich)
Drittes Reich: (Nationalsozialistisches) Deutsches Reich 1933 bis 1945 (ab 1938 nach dem Anschluss von Österreich auch Großdeutsches Reich)
Die Nachfolgestaaten des 1945 untergegangen “Dritten Reiches” waren:
Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik, Republik Österreich

Die Flagge des Dritten Reiches” (Hakenkreuzflagge)*
Die Hakenkreuzflagge war die offizielle Staatsflagge des Deutsches Reiches von 1935 bis 1945. Die Flagge in der bekannten Form gibt es seit 1920, als Adolf Hitler sie als Parteiflagge der NSDAP einführte. Unklar ist bis heute, warum das Hakenkreuz „spiegelverdreht“ verwendet wurde, da die ursprüngliche Form „linksdrehend“ gestaltet ist. Die farbliche Zusammensetzung schwarz-weiß-rot steht im engen Zusammenhang mit der Flagge des untergegangen zweiten Deutschen Reiches. Der eigentlich Begriff ist aber nicht Hakenkreuz, sondern „Swastika“ und kommt aus einer altindischen Sprache. Es bedeutet soviel wie „das, was gut ist“ oder „glücklich sein“. Im Englischen nennt man es auch „Running Wheel“ (das umlaufende Rad), eine weitere deutsche Bezeichnung ist „Sonnenrad“.
Der Ursprung der Swastika ist nicht bekannt. Die Germanen verwendeten es als Symbol für „Thors Hammer“. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es wieder entdeckt und verbreitete  sich später vor allem in nationalistischen Büchern, Zeitungen und Illustrierten.
Seit 1945 ist das Hakenkreuz in Deutschland verboten, seiner öffentlichen Darstellung sind sehr enge Grenzen gesetzt, da es durch das Dritte Reich in der westlichen Welt zu einem Symbol für Rassenhass und Faschismus wurde.

 Die Hymne(n) des Dritten Reiches
 “Das Lied der Deutschen” (1. Strophe)
 immer zusammen mit dem

“Horst-Wessel-Lied” (Die Fahne hoch).
Die öffentliche Publizierung dieses Liedes ist in Deutschland verboten, aus diesem Grunde kann hier keine Klangdatei eingefügt werden.

* § 86 StGB Absatz 3 :
(Darstellung statthaft)... wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.

 

 

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