Fischzuchtgrund
Die "Edelfischzucht AG Einsiedel"

Nebenstehender Holzstich zeigt uns die Anlagen der “Edelfischzucht AG Einsiedel”.
Die Bildunterschrift lautet: “Die Fischzuchtanlagen in Einsiedel im Erzgebirge. Nach der Natur aufgenommen”.
Recht gut erkennen wir die Teiche und das Verwaltungsgebäude der Gesellschaft, die ihren Sitz in Chemnitz hatte.

Gründer der Gesellschaft war der königlich-sächsische Forstwirt (Oberförster) Richard Bruhm, der Geschäftsführer wurde Karl Lohs.
Bruhm beschäftige sich schon seit 1869 mit der Forellenzucht, zum Zeitpunkt allerdings noch in Dittersdorf. Man muss sich vor Augen führen, dass der Bestand an Forellen (wie an Fischen überhaupt) in der Flüssen, so auch in der Zwönitz, spürbar zurück gegangen war. Hauptgrund dafür waren die unzähligen Fabrikwehre, die seit Einsetzen der Industrialisierung die sächsischen Flusslandschaften und -läufe prägten.

Durch Einschaltung des Forstfiskus gelang es 1873, zwei kleine Wirtschaften (jeweils ½ Hufe) zu kaufen. Beide lagen an der Uferstraße, die zugehörigen Felder aber im nachmaligen Fischzuchttal. Der Kaufpreis für beide zusammen betrug 20.000 Taler, die Gesamtfläche 20 Hektar.

Zahlreiche Arbeitskräfte legten 1873 hier insgesamt 14 Becken und Teiche für eine professionelle Fischaufzucht an. Das kristallklare Quellwasser der erworbenen Grundstücke wurde kunstvoll von Teich zu Teich geleitet. Neben den Teichen erstreckten sich verschlungene, 800 m lange Gräben zur Fischbrut, in denen sich 3 bis 4.000 angekaufte Zuchtforellen befanden.
Ein großer Vorzug der Einsiedler Anlage war die Möglichkeit, das Wasser des Bächleins zu nutzen, welches das Areal durchfloss. Dieses war im Winter kälter als das Quellwasser und deshalb für die Forellenzucht prima geeignet, da man zur Brut der Eier bezüglich der günstigeren Wassertemperatur regulierend eingreifen konnte, in dem man entweder Quell- oder Bachwasser verwendete.
Über ein Steinröhrensystem wurde dieses “Brutwasser” in ein 30 m langes und 20 m breites Bruthaus geleitet. Hier standen 28 große, aus Zement gegossene Bruttröge, ein jeder mit der Kapazität von 60.000 Eiern. Durch eine Rohrleitung verteilte sich das Wasser im ganzen Gebäude, jeder Trog hatte seinen Zu- und Abfluss.
Unter dem Gebäude befanden sich Verpackungsräume, da die jungen Fische nach kurzer Reife verkauft wurden.
Die in recht großem Umfang betriebene Forellenzucht wurde zehn Jahre später, also 1883, aufgegeben, der Grund dafür ist nicht bekannt.

Das ehemalige Wohnhaus und das dahinter liegende Bruthaus sind bis heute äußerlich nur wenig verändert erhalten. Obwohl das Grundstück postalisch der Altenhainer Allee 12 zugeschlagen ist, denke ich, ist es auf dieser Seite sinnvoller untergebracht.

Zu DDR-Zeiten wohnten hier Angestellte des Wasserwerkes.

Die Aufnahme links ist von 24. Oktober 2004.

Einige kleinere Teiche im hinteren Teil des Fischzuchttales sind noch heute vorhanden. In wie weit diese überhaupt zur ehemaligen Anlage des Oberförster Bruhm gehörten oder einen anderen Zweck erfüllten, wird noch herauszufinden sein.
Die Winterbilder oben sind vom 16. Januar 2011, das Dia links entstand um 1960.
(Foto links: Haus & Grund Einsiedel)

 

 

Retour fzgFischzuchtgrund

Nach oben zum Seitenanfang...Nach oben zum Seitenanfang...
Retour StartseiteZur Startseite...